Die Kreter

Das äussere Erscheinungsbild der Kreter ist sehr vielfältig, denn die Besatzer von Kleinasien bis Mitteleuropa haben auch im Typus des Menschen ihre Spuren hinterlassen. So gibt es sowohl feingliedrige, dunkelhaarige als auch große, blonde, blauäugige Kreter. Trotz des so unterschiedlichen Aussehens der Bevölkerung kann man aber von einem Nationalcharakter sprechen: So zeigt der Kreter die allen Griechen gemeinsamen Wesenszüge wie großen Individualismus, Familiensinn, Freude am Spiel und an Geselligkeit, an politischen Diskussionen, Gastfreundschaft, eine immer wache Neugier und den intensiven Genuß des Augenblicks. Geprägt durch die Jahre der Fremdherrschaft ist der Freiheitsdrang der Kreter besonders leidenschaftlich.

Gaitanides, der deutsche Schriftsteller griechischer Abstammung, skizziert die Wesenszüge des Kreters:
"Alles ist heisser auf dieser Insel: Wort, Lied und Tanz, Liebe und Hass, das Fühlen und Denken, auch die Politik. Kurz: der Kreter ist für Hellas, was der Korse für Frankreich - er ist der Supergrieche. Alle Eigenschsften des Griechenvolkes steigert er zu ihrem Äussersten, seine Tugend und Laster, im Guten wie im Bösen. Kein besserer Freund als er, kein schlimmerer Feind."

Die Kreter sind so eigen, so geheimnissvoll und leidenschaftlich wie Kreta selbst, Henry Miller schreibt 1940: "Griechenland ist das was jedermann kennt, auch wenn er noch nie dagewesen ist.... Kreta ist etwas anderes. Kreta ist eine Wiege, ein Instrument, ein vibrierendes Reagenzglas, in welchem ein vulkanisches Experiment durchgeführt wurde."

 
 

Geographie

Kreta ist die größte Insel Griechenlands, und neben Sizilien, Sardinien, Zypern und Korsika die fünftgrößte Insel des Mittelmeeres. Die Insel hat eine langgestreckte Form, die Länge von Westen nach Osten beträgt ca. 260 km, an der breitesten Stelle von Norden nach Süden misst sie ca. 60 km, wobei sich die Landmasse zum Osten hin stark verengt, bei Irapetra ist die Insel nur noch ca. 12 km breit. Die Bodenfläche beträgt 8261qkm, mit einer Küstenlänge von 1046 km. Im Süden grenzt die Insel an das Lybische Meer, im Westen an das Myrtoische Meer, im Osten an das Meer von Karpathos und im Norden an das Kretische Meer.

Kreta ist eigentlich ein Bergzug, der das ägäische Meer nach Süden hin abschließt und gleichzeitig Asien mit Europa verbindet.

Somit ergibt sich für Kreta eine sehr spezielle geographische Lage, die Insel befindet sich etwa genau in der Mitte zwischen Europa, Afrika und Asien, wobei das europäische und das afrikanische Festland jeweils ca. 400km entfernt ist. Die Insel ist von mehreren kleinen Inseln umgeben, die nennenswerteste ist sicherlich Gavdos, südwestlich von Kreta, als der südlichste Punkt von Europa.

 
 

Klima

Kreta ist als südlichste Insel Europas eine wirkliche Sonneninsel, mit ca. 300 Sonnentagen pro Jahr und einer Trockenperiode von Mai bis Ende September gehört sie zu den sonnenreichsten Inseln des Mittelmeeres.

Milde Winter und heiße Sommer, in denen das Thermometer nicht selten über 40 Grad steigt, wechseln sich ab. Frühling und Herbst nimmt man auf der Insel kaum wahr, es gibt zwei Blütezeiten, im Oktober, wenn der erste Regen die Trockenperiode beendet, und im Mai, wenn die teilweise starken Regenfälle des Winters versiegen und die Sonne mit voller Kraft die fruchtbaren Hänge der Insel erblühen lässt.

Kreta ist bekannt für die Winde, die allgegenwärtig sind, oftmals streifen heiße Sciroccowinde aus den Wüsten Afrikas die Insel, im August sorgen kühle Meltemiwinde dafür, dass es nur selten unerträglich heiß wird.

Monat: 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Tagestemperatur: 17 20 24 28 29 29 27 24 21
Nachttemperatur: 10 12 15 19 21 22 19 16 14
Tägl. Sonnenstunden: 6 8 10 12 13 12 10 6 6
Niederschlagstage: 8 4 2 1 0 0 2 6 6
Wassertemperatur: 16 16 19 22 24 25 24 23 20
 
 

Geschichte

Nicht zuletzt bedingt durch die spezielle geographische Lage Kretas hatte sie durch die Jahunderte immer wieder unter Fremdherrschaft und verschiedenen Besatzungsmächten zu leiden.
Die Geschichte der Insel geht zurück bis ins Neolithikum (6000 v. Chr.), aus dieser Epoche finden sich keinerlei schriftliche Überlieferungen, später zum Ende des Neolithikums (2600 v. Chr.) entwickelt sich die Landwirtschaft und die Beziehungen zur benachbarten Inselwelt werden enger.
Der griechische Chronologe Nikolaos Platon nahm die wichtigsten Geschehnisse, die sich auf der Insel zutrugen als Ausgangspunkt seiner Chronologie, so entstand folgende Zeittafel zur Geschichte Kretas

Neolithikum 6000 - 2600 v. Chr. Hellenistische Zeit 330 - 67 v. Chr.
Vorpalastzeit 2600 - 1900 v. Chr. Griechisch-römische Zeit 67 v. Chr - 330 n. Chr.
Zeit der Alten Paläste 1900 - 1700 v. Chr. 1. Byzantinische Zeit 330 - 824
Zeit der Neuen Paläste 1700 - 1450 v. Chr. Arabische Besetzung 824 - 961
Nachpalastzeit 1450 - 1100 v. Chr. 2. Byzantinische Zeit 961 - 1204/10
Protogeometrische Zeit 1100 - 900 v. Chr. Venezianische Herrschaft 1204/10 - 1669
Geometrische und
Orientalische Zeit
900 - 650 v. Chr. Türkische Herrschaft 1669 - 1898
Archaische Zeit 650 - 500 v. Chr. Kretischer Staat 1898 - 1913
Klassische Zeit 500 - 330 v. Chr. Griechische Provinz Seit 1913

Die ersten schriftlichen Überlieferungen berichten über eine kulturelle Blütezeit, welche sich zum Ende der Vorpalastzeit (ca., 2000 V. Chr.) hin entwickelte, diese Zeit wird heute als Beginn der minoischen Epoche bezeichnet.
Die sog. Minoer gelten heute als die erste Hochkultur Europas, zu dieser Zeit entstanden die sog. Alten Paläste, wie Knossos, Phästos, Malia, Archanes, Zakros und Kydonia. Es handelte sich um Bauten mit mehreren Stockwerken, rechtwinkligen Räumen und zahlreichen Korridoren um den zentralen Innenhof und einer großen Zahl Vorrats- und Kulträumen.

Man weiß heute, dass zu dieser Zeit der Handel im Mittelmeer so stark aufblühte, dass Historiker von einer minoischen Seeherrschaft sprechen.
Hauptexportwaren waren schon damals das kretische Olivenöl sowie Kräuter und Gewürze, die heute, wie damals auf den Hügeln Kretas in reicher Fülle zu finden sind.

 
 

Mythologie

Die kretische Mythologie unterscheidet sich von der heute bekannten griechischen Mythologie, als dessen Vorlage man die kretischen Mythen sicherlich bezeichnen kann.
Am Anfang war das Chaos, dem Chaos entsprang Gaia, die Erdmutter, welche ohne männliche Hilfe Uranos, den Himmel, Pontos, das Meer und Ourea, die Berge gebar. Sie vermählt sich mit Ihrem Sohn Uranos und gebiert die Titanen. Mit dem jüngsten Titanen Kronos schmiedet Gaia ein Komplott gegen Uranos, den König des Himmels. Kronos beraubt seinen Vater im Schlaf seiner Männlichkeit und übernimmt die Herrschaft über den Himmel.

Aus Angst ihm könnte das Selbe wiederfahren, verschlang er sofort nach der Geburt jedes seiner Kinder. Seine Gattin Rhea war über dieses Unheil untröstlich und bat Gaia um Hilfe, als es an der Zeit war ihren letzten Sohn Zeus Asterios zur Welt zu bringen. Gaia hatte Erbarmen mit Rhea, und so brachte Gaia selbst Zeus nach seiner Geburt nach Kreta und versteckte ihn in einer Höhle im Idagebirge, wo er von der Milch der Ziege Amalthea und dem Honig der Biene Melissa ernährt wurde. Kronos gab man einen umwickelten Stein, den er verschlang ohne Verdacht zu schöpfen.
Der heranwachsend Zeus war seinem Vater schnell an Kraft und Geschicklichkeit überlegen, er flößt Kronos ein Brechmittel ein und dieser erbricht die Geschwister Hades, Poseidon und Hera. Als Kronos entgültig besiegt ist verteilt Zeus die Herrschaft über die Welt, Hades regiert von nun an die Unterwelt, Poseidon wird der Herr der Meere und seine Schwester Hera nimmt er zur Frau. Er selbst bleibt der König des Himmels und der Herrscher über die Welt.

Zeus, der Göttervater vertreibt sich seine Zeit hauptsächlich mit amourösen Abenteuern, eines Tages nähert er sich der schönen phönizischen Prinzessin Europa in Form eines Stieres und entführt sie nach Kreta. In der kleinen Bucht von Matala gehen sie an Land, wo er sich der Prinzessin zu erkennen gibt. Beide begeben sich in die naheliegende Messara-Ebene, wo sie unter einer ausladenden Platane ihre erste Nacht verbringen. Europa schenkt Zeus drei Söhne, Sarpedon, Rhadamanthis und Minos.

Alte Überlieferungen erzählen, dass viel später als Zeus die Weltherrschaft an seinen Sohn Minos weitergegeben hatte, er sich auf den Berg Juchtas begab, wo er sich zum Schlafen niederlegte und dort für alle Zeit über Kreta wacht.
Heute noch trägt der Berg Juchtas, der sich imposant hinter der Stadt Iraklion gen Himmel streckt, den Namen "Der schlafende Zeus", und tatsächlich, betrachtet man den Berg Juchtas von Westen her kommend so kann man, auch ohne Phantasie, das Profil des Schlafenden Zeus erkennen.